Landratsamt Neustadt a.d.Aisch

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Pressearchiv 2019

Wie ermittelt die Staatsanwaltschaft? Runder Tisch Häuslicher Gewalt traf sich im Landratsamt

Polizeihauptkommissarin Heike Krämer und Staatsanwalt Markus Pinzer.

"Manchmal ist es wichtig, die Sichtweise zu ändern", beginnt Luise Dreise, Gleichstellungsbeauftragte am Landratsamt, ihre Begrüßung der Teilnehmer am Runden Tisch Häusliche Gewalt, "dies fördert das gegenseitige Verständnis". An diesem Vormittag, Dienstag, 19. November 2019, stellte Markus Pinzer die Arbeit der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth und Polizeihauptkommissarin Heike Krämer das Bedrohungsmanagement Mittelfranken vor. Dass diese Themen für alle beratenden Institutionen, die mit häuslicher Gewalt in Berührung kommen, wie auch für Polizei, Krankenhäuser und Ämter auf den Nägeln brennt, zeigten die zahlreichen Teilnehmer und der rege Austausch.

Beweise zeitnah dokumentieren
Staatsanwalt Markus Pinzer erläuterte nicht nur die Arbeit und den Aufbau der Staatsanwaltschaft, er gab einen Einblick in den Verfahrensablauf und dessen Hintergründe, insbesondere bei häuslicher Gewalt. Durch die Leitung und Organisation der Ermittlungen leitet die Staatsanwaltschaft die Anklageerhebung ein. Jedoch kann es auch zur Einstellung von Verfahren kommen. Dieser Punkt war für die Teilnehmer am Runden Tisch besonders interessant. Die Vertreterin vom Weißen Ring berichtete beispielsweise von der Enttäuschung und Entmutigung bei Opfern von Gewalt, die sich durchgerungen hatten eine Anzeige zu erstatten und dann mit der Einstellung des Verfahrens konfrontiert wurden. Markus Pinzer erläuterte daraufhin mögliche Schwierigkeiten bei der Strafverfolgung. Bei häuslicher Gewalt kann zum Beispiel die Beweislage relativ dünn sein, da die Tat meist hinter verschlossenen Türen stattfindet. Um dem entgegenzuwirken empfiehlt er zeitnah zu reagieren und die Tat sofort bei der Polizei anzuzeigen. Auch Verletzungen sollten sogleich dokumentiert werden. Je länger der Vorfall zurückliegt, desto schwieriger wird es, Beweise vorlegen zu können. Heike Krämer ergänzte, dass es im Falle von Vergewaltigung auch wichtig sei, die Kleidung sicherzustellen und sich nicht zu duschen. Sie empfahl die Spurensicherung im Krankenhaus vornehmen zu lassen. Durch eine Gesetzesänderung werden die Kosten dazu ab 1. März 2020 komplett von den Krankenkassen übernommen.

Gefahren erfolgreich entgegenwirken
Im zweiten Teil des Runden Tisches erklärte Heike Krämer, Beauftragte der mittelfränkischen Polizei für Kriminalitätsopfer, anschaulich das Bedrohungsmanagement Mittelfranken. Seit 2016 ist es bereits in Nürnberg erfolgreich im Einsatz und könnte nun auch im Landkreis Neustadt a.d.Aisch-Bad Windsheim etabliert werden. Die Federführung hat dabei der Krisendienst Mittelfranken. Hierbei geht es darum in Zusammenarbeit mit einer Auswahl beteiligter Stellen Gefahren, die von Menschen ausgehen, frühzeitig zu erkennen, zu entschärfen und die Ursachen zu finden. Auch hier kam gleich ein Beispiel aus der Praxis aus den Reihen der Teilnehmer, für das aktuell keine Lösung besteht, jedoch mit dem Bedrohungsmanagement gefunden werden könnte. Stellvertretende Landrätin Gisela Keller sowie Büroleiter Matthias Hirsch, die auch am Runden Tisch teilnahmen, sehen in der Bewältigung von Bedrohungslagen eine wichtige Aufgabe und bedankten sich für den aufschlussreichen Vortrag von Heike Krämer. Zum Abschluss des Runden Tisches zeigte sich Gleichstellungsbeauftragte Luise Dreise erfreut über den konstruktiven Austausch, der etwas im Landkreis bewegt, und dankte allen Anwesenden.