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Wertvoller Lebensraum

Exkursion anlässlich der LPV-Mitgliederversammlung

Landschaftspflegeverband, Exkursion, Lenkersheim, Streuobst

Bad Windsheims Stadtförster Sven Finnberg (Zweiter von links) konnte den Teilnehmern die Bedeutung der Kulturlandschaft vermitteln.

farbenfroher Käfer, Käfer

Der Kirschbaum-Prachtkäfer macht seinem Namen alle Ehre. Quelle: Sven Finnberg

Die Mitgliederversammlung des Landschaftspflegeverbands (LPV) Neustadt a.d.Aisch-Bad Windsheim ging in diesem Jahr mit einer Exkursion in das Streuobstland um Lenkersheim einher. Knapp 30 Teilnehmer machten sich unter fachkundiger Führung von Bad Windsheims Stadtförster Sven Finnberg auf Erkundungstour durch die wertvolle Kulturlandschaft. Zuvor hatte im theoretischen Teil der Versammlung nach der Einführung durch den Vorsitzenden Landrat Helmut Weiß Geschäftsführerin Helga Kerwagen Zahlen und Fakten zu den durchgeführten und geplanten Maßnahmen vorgestellt. Kassier Ingo Treiber präsentierte den Kassenbericht.

Das Streuobstland bei Lenkersheim hat eine lange Tradition und wurde bereits 1754 („Die Gleeser“) gegründet, informierte Sven Finnberg. Damals wurden die ehemaligen Waldflächen unter den Bürgern verlost. Die Flächen selbst sind weiterhin im Besitz der Gemeinde, während die einzelnen Bäume den Einwohnern von Lenkersheim gehören. Die Streuobstflächen gehören zum FFH-Gebiet „Anstieg der Frankenhöhe östlich der A7“.

Für den Erhalt und die Pflege dieser Flächen ist die Beweidung unabdingbar und so wurde die Exkursion von der ansässigen Schäferfamilie Wellhöfer begleitet. Auch die Schafhaltung in Lenkersheim hat eine lange Tradition und wurde bereits 1569 erstmals urkundlich erwähnt. Neben der extensiven Beweidung spielt die Pflege der Obstbäume eine essentielle Rolle für den Erhalt dieses einzigartigen Lebensraumtyps. Sowohl die Altbaumpflege als auch die Beweidung werden durch den LPV mittels Förderprogrammen finanziell unterstützt.

Für den Artenreichtum ist die Strukturvielfalt mit seinen zahlreichen einzigartigen Lebensraumnischen von herausragender Bedeutung. So betonte Sven Finnberg, dass neben jungen Bäumen auch Altholzbestände und Totholz wichtig seien. Der Erhalt verschiedenster Strukturen muss durch eine angepasste Pflege fachgerecht geplant werden. Eine besonders artenreiche vertretene Tiergruppe sind die Käfer, hierzu zählen der Bunte Kirschbaum-Prachtkäfer Anthaxia candens, der Matte Pillendreher Sisyphus schaefferi und der Kupfer-Rosenkäfer Protaetia fieberi.

Auf dem Weg durch die Streuobstbestände konnten die Probleme beim Erhalt dieser Flächen direkt beobachtet werden. Der starke Aufwuchs von Brombeeren, Schlehen und ähnlichen oft dornigen Gehölzen führt dazu, dass seltene, konkurrenzschwache Pflanzen und Tiere ihren Lebensraum verlieren. Um den Artenreichtum langfristig zu erhalten, werden neben der Beweidung ausgewählte Flächen vom LPV mit speziellen Maschinen im Winterhalbjahr „entbuscht“.

Die Teilnehmer konnten Umfang und Art der Entbuschungsmaßnahmen sowie die Wirkung auf Flora und Fauna direkt vor Ort begutachten. Hans Seitz, Landwirt und Botaniker, stellte den Exkursionsteilnehmern noch ein paar seltene Pflanzenarten vor. Die fachkundig begleitete Exkursion ermöglichte den Mitgliedern einen Einblick in die vom LPV koordinierten Arbeiten zum Erhalt wertvoller Lebensraumtypen im Landkreis Neustadt a.d.Aisch-Bad Windsheim.