Was ist im Landkreis los?
Landrat Dr. Christian von Dobschütz berichtet
Die Kolumne “Aus Amt & Kreis” erscheint schriftlich alle zwei Wochen in jedem Landkreisjournal bzw. können Sie diese auch hier lesen (siehe unten). Zudem gibt es zu wichtigen Themen auch regelmäßig eine Videobotschaft auf Youtube unter https://www.youtube.com/playlist?list=PL06M6tvxBuJmL6zrEOQS6BYBCWO2WrvVV (externer Link).
Viel Spaß beim Lesen und Ansehen!
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Aus Amt & Kreis
Liebe Leserin, lieber Leser,
Der Frühling ist da und lockt uns regelmäßig zu Spaziergängen in den Wald. Den Kopf freibekommen, die Ruhe genießen: Herrlich! Doch unser Wald ist weit mehr als nur Erholungsraum. Deshalb möchte ich diesen, in meiner kleinen Kolumne, einmal bewusst in den Fokus rücken. Vor einiger Zeit durfte ich der Mitgliederversammlung der Forstbetriebsgemeinschaft Neustadt-Uffenheim beiwohnen. Zu Gast war ein echter Waldexperte, Prof. Dr. Hubert Röder von der TU München. Sein Vortrag hat mich wirklich beeindruckt. Seine wesentlichen Kernaussagen: Unsere Wälder stehen im Klimawandel unter enormem Druck – und zugleich eröffnen sich große Chancen, wenn wir jetzt klug handeln.
Viel Holz, doch der Schein trügt
Zunächst ein überraschender Befund: Der Holzvorrat in Europas Wäldern ist in den vergangenen Jahrzehnten stetig gestiegen. Der Zuwachs war höher als die Nutzung. Bayern gehört zu den Regionen mit den höchsten Holzvorräten weltweit! Man könnte also meinen, es sei alles in bester Ordnung. Doch der Schein trügt. Denn gleichzeitig hat sich die Struktur unserer Wälder stark verändert. Die Bestände sind deutlich älter geworden. Und das ist, was mich sehr überrascht hat, nicht unbedingt von Vorteil. Warum? Alte Wälder wachsen deutlich langsamer als junge Bestände. Und damit speichern sie auch deutlich weniger CO2. Der Kohlenstoffspeicher im Wald nähert sich also einer Sättigung an. Dies wurde, so Prof. Röder, bereits vor Jahren wissenschaftlich berechnet. Wenn wir aber mehr Klimaschutz aus dem Wald wollen, reicht es nicht, einfach nichts zu tun. Im Gegenteil: Es müsse aktiv gestaltet und auch für eine stete Verjüngung gesorgt werden. Daher seine klare Empfehlung: Proaktiver Waldumbau. Risikoreiche Nadelreinbestände müssen in stabile, zuwachsstarke Mischwälder umgebaut werden. Und nicht jede Baumart speichert gleich viel CO2. Douglasie, Tanne, Buche und Ahorn zeigen in jüngeren Beständen etwa eine deutlich höhere Speicherleistung als die Fichte. Mit diesem Wissen schaut man beim nächsten Spaziergang vielleicht doch ein wenig anders auf unseren Wald. Viel Freude dabei.
Respekt trotz unterschiedlicher Meinung
Themensprung: Die neue Legislatur hat begonnen, der Kreistag hat sich konstituiert. Die Bürgerinnen und Bürger haben gewählt. Sie haben entschieden, wem sie ihr Vertrauen schenken. Sie haben zehn Parteien und Gruppierungen in den Kreistag gewählt. Damit ist dieser so breit aufgestellt wie noch nie. Und damit verbunden ist ein klarer Auftrag. Ein Auftrag, hinzuschauen. Ein Auftrag, zuzuhören. Ein Auftrag, zu gestalten. Und manchmal auch ein Auftrag, auszuhalten: unterschiedliche Sichtweisen, unterschiedliche politische Herkunft, unterschiedliche Temperamente, unterschiedliche Antworten auf dieselben Fragen. Das gehört gerade zur kommunalen Demokratie. Denn der Kreistag ist kein Ort, an dem alle gleich denken müssen. Aber er muss ein Ort sein, an dem alle verstehen, worum es im Kern geht: um unseren Landkreis - und nicht um politischen Richtungsstreit. Ich möchte deshalb zu Beginn dieser neuen Legislatur bewusst einen Ton setzen. Einen Ton des Respekts. Einen Ton des Miteinanders. Einen Ton der Sachlichkeit. Und auch einen Ton des Optimismus. Denn bei allen Herausforderungen, die vor uns liegen (Wirtschaftslage, Unterfinanzierung der Kliniken), bin ich davon überzeugt, dass wir dafür notwendige Antworten finden werden. Wenn wir mutig sind und gemeinsam unterhaken.
Bis zum nächsten Mal
Ihr Dr. Christian von Dobschütz, Landrat